Mein Leben – Ein Gedicht anlässlich meines 50. Geburtstages

50er

Meine Familie ist wie ein weiches Kissen,
zum Fallenlassen und Geborgen wissen,
wie eine feste Burg, mit Mauern und Zinnen,
wie ein Fels in der Brandung,
ich möcht’ sie nicht missen.

Aber alleine sein ist einsam
und so wurden wir zweisam
und mit den’n unterm Dach gemeinsam,
wurde es nie einsam.
Eine bunte Kinderschar lebte zusammen,
so manches ist dabei zu Bruch gegangen.

Die Wälder habe ich durchstreift,
mit aufgerissenen Hosen,
die Bäche und Sümpfe durchwatet
und Lurche gefunden.
Die Vögel verfolgt
und ihrem Rufen gelauscht.
Was für eine Kindheit!
So viel mehr, als man glaubt!

Weit über dem Land habe ich gelebt,
von oben auf die Welt geschaut,
Zwischen den Nebeln des Rheins
und dem Turm über der Stadt,
zwischen Nagold und Enz,
von der Weite des Himmels
zur Höhe des Walds,
da war mein Platz.

Auf dem Dorf
die Bank hab ich gedrückt,
und zwischen Getier
und alten Karten
den ersten Zipfel
der Welt entdeckt.
Meine Welt wurde größer,
die Penne nicht besser
die Kameraden war’n spärlich
und die Lehrer die Penner.

Aber dann:
wo man Worte tanzt
und Bilder knetet,
wo man Wissen malt
und wenigen rechten Winkel begegnet,
wo die Menschen freundlich
und die Gesinnung hoch,
die Ziele friedlich
und die Freundschaft groß
Durfte ich lernen
ein Mensch zu sein.

Obwohl der Bund seine Wehr aussand,
mich zu fangen, ich widerstand
und blieb frei wie ein Vogel.
Stattdessen fuhr ich, Tag für Tag,
in die nahe Fächerstadt
und mühte mich Physik zu lernen,
was ich zuvor nicht gelernt.
Aber es war zu spät, die Hürd’ zu Groß.

Und so zog es mich
in die altehrwürd’ge Stadt
die schon Hölderlin,
Hauff’ und Uhland gesehen hat.

Ich wollte wissen, was, warum, wann, wo ist,
Um später darüber zu schreiben.
Die Geographie ist eine feine Wissenschaft,
weil sie Wissen schafft!
Neben dem Wann und Wo und dem Warum,
lernt man auch ein:
Wie lerne ich zu lernen?
Wie lerne ich zu wissen?
Wie lerne ich zu verstehen?

Jedoch das größte Mysterium
und das größte Glück
schenkte mir nicht das Lernen,
sondern das Leben!
Als ich dort,
in einem lichtdurchfluteten Raum
Dich kleines Etwas,
in meinen Händen halten durfte,
Du Wunder des Lebens,
da begriff ich, was Demut ist.

Schon zu diesen Zeiten musste ich schaffen,
musste ich schon zuvor, aber nur für mich,
so nahm ich meine Talente zusammen
programmierte, konfigurierte und reparierte,
was die EDV zu bieten hatte.

Die Bretter der Welt
brachten mir eine neue
und weitere Ideen.
Neue Freunde, große Träume,
himmelstürmend und berauschend,
Große Hoffnung,
Lange Gesichter
und dann: Verrat!
Ein Ende der Hoffnung
und das Ende aller Freundschaft.

Für’s Leben dennoch neue Freunde gefunden
Der zweiten Mond wurde zu einem ganzen Film.
Und aus den geradezu fantastischen Szenen
wurden Bilder mit rhythmischem Stil.
Laut und leise, langsam und schnell,
die Bilder rannten und ich lernte viel.

Aber es gab noch mehr:
Die lokale Politik begeistert mich sehr
Mit hehren Zielen und guten Visionen
sind wir in den Rat gezogen.
Manch Ratsherr hat inzwischen
die Weisheit der Technik erkennen müssen,
und unser Vorkämpfer für die gute Sache
verändert die Stadt und das ist der Grund,
warum ich mitmache.

In all meinem Streben
habe ich die Kelche des Lebens,
des Glücks und der Bitternis
gleichermaßen genossen.
Zu viel Süße, sagen die Einen,
die falschen Gene die Anderen
Wie dem auch sei, es hat mich ereilt.

Der Zucker schlug zu
und mit ihm kamen die Schmerzen.
Zunächst gelegentlich,
nun immerwährend.

Mit Brennen und Kribbeln,
mit Stechen und Schreien,
Ich umarme sie und lasse sie sein,
bis sie vergehn und sei’s zum Schein.
Dies ist ein Kampf, der immerwährend gefochten,
der mich beherrscht, wie ich ihn.
Der mein Sein erschüttert und mir zeigt,
was für ein Glück ich habe, zu sein.

Doch was nutzt Glück, wenn man es nicht teilen kann?
Und mit dem nötigen begegnete ich dem meines Lebens.
Denn das Glück vermehrt sich dann,
je mehr man es teilt und genießen kann.

In meiner Buchhandlung kam ich ins Gespräch,
weitläufig bekannt, war die Buchhändlerin, charmant,
eben genesen von einem schweren Schlag auf den Fuß.
Ich frag sie, “wie’s geht”, da kam sie zu mir,
zeigte die Fesseln – und nun träume ich von ihr.

Seither, Seit an Seit durch’s Leben wir gehn.
Und begegnen demselben an vielerlei Orten.
Denn es zieht uns stetig einmal hier, dann dort hin.
Vor allem in den Westen, in welchem man:
“Savoir vivre”, Croissant und Baguette, finden kann.

Nun stehe ich hier und schaue auf mein Leben zurück,
Viele Tränen gabs und manches Glück, und ebenso Menschen
die mich begleiten, in Guten, wie in schlechten Zeiten.
Ich habe das Leben geliebt und ein paar Frauen auch,
habe tief getaucht in die Schmerzen und bin erstanden aus Ruinen,
Vorbilder habe ich verloren und Freunde gewonnen,
Dass nicht alles ist, wie es scheint, hab ich gecheckt.
/// den vermaledeiten Zeh hätte ich weglassen können,
aber hät’ ich sonst das Kochen entdeckt? ///
Das Glück habe ich genossen und die Liebe gefunden,
/// Alessandra, ich liebe Dich! ///
hab eine Wohnung gekauft, einen Baum gepflanzt,
und meine Tochter entbunden,
So viel zu tun, so viel noch zu sagen,
ich plane für die kommenden Jahre!
Aber nun feiere ich das Leben,
denn so ist es Brauch,
Ein Hoch auf die Jahre – und auf Euch … auch.

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