Ich bin steinreich, Gallensteinreich!

Bilirubinsteine Am Mittwoch, den 18.2.2009 wurde mir ein Beutel entfernt, der voller Nuggets war. Leider waren die Steine dunkelschwarz und nicht so sehr golden und insofern bin ich zwar reich an Steinen, aber es sind Bilirubin -Steine, die meine Galle belastet haben… Um es klar zu sagen, ich habe eine Gallenblase und viele Steine weniger in meinem Körper. Und ich bin froh, dass ich von nun an nicht mehr an Koliken zu leiden habe.

Einblick in mein Innenleben - Vorsicht, nichts für empfindliche Gemüter Beim letzten Versuch dieses Organ los zu werden, vor zirka eineinhalb Jahren, wurde ich "zur Sicherheit" noch einmal mit einer Methode untersucht, die sich "ERCP " nennt. Wäre in meinem Fall nicht ohnehin klar gewesen, dass keine Steine im Gallengang sind, hätte die Untersuchung noch Sinn gemacht. So jedoch war die Qual sinnlos und letztlich lebensgefährlich.
Ich bekam eine schwere, lebensbedrohliche Pankreatitis – eine Bauchspeicheldrüsen-Entzündung. 2 Wochen lang wurde ich auf der Intensivstation behandelt und gepflegt, bis mich das Leben wieder einigermaßen zurück hatte.

Ensprechen hoch war meine Schwerzschwelle bei den zwischenzeitlichen Gallenkoliken…

Aber eigentlich will ich über etwas anderes schreiben:

So schwer es mir fiel, ins Krankenhaus zu gehen, von diffusen Sorgen geplagt, so sehr frage ich mich nach dem Sinn, den mir das Leben damit aufzeigen möchte.

Man sagt, "Ihm geht die Galle über!" und meint, dass jemand die Beherrschung verliert – aber erst, nachdem er eben lange die Beherrschung bewahrt hat!

Ich weiß, dass ich immer ein sehr geduldiger Mensch war. Das hat sich in den letzten Jahren etwas verändert, was jedoch ins Bild passt. Jahrelang haben diese kleinen fiesen Bilirubinsteinchen sich in meiner Galle gesammelt. In den letzten Jahren waren es zum Schluss so viel und so voll in meiner Galle, dass nichts mehr in sie gepasst hat. Sie lief über und ich verlor meine Beherrschung.

Mag sein, der Eine oder Andere sieht darin eine zu simple Analogie. Ich finde das Bild dennoch sehr zutreffend. Lange Zeit habe ich viele Dinge ertragen, akzeptiert, heruntergeschluckt und in mir verarbeitet. Auch schlimme Dinge. Das war gut so. Ich musste nicht explodieren – statt dessen habe ich, beziehungsweise hat meine Leber ,daraus kleine Steinchen gebacken und sie in meiner Galle gesammelt.

Im Übrigen: Was stellen diese schwarzen Steinchen eigentlich dar? Sind sie das Böse an sich? Die konzentrierte Galle meines Lebens? All das, was mir in den letzten Jahren an Schlechtem widerfahren ist? Und wie geht man mit einer solchen Hinterlassenschaft, so sie nicht mehr von meinem Leib geschützt ist, um?

Das Leben entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Nun ist dieser Ort mir genommen. Und wirklich, ich spüre meine mangelnde Geduld, das Aufbegehren, das dicht unter der Oberfläche lauert.

Die entschiedene Frage muss nun für mich lauten: Soll ich lernen meine Nöte, Ängste und Sorgen in Zukunft sofort und unmittelbar zu bekämpfen – und sei es auf Kosten des ruhigen Abwartens? Oder aber lautet die Lehre: Ich muss lernen alles Ungemach anders aufzuarbeiten, so dass es sich nie mehr in mir ansammeln kann, wie sehr ich es auch verwandelt und komprimiert hatte?

Manchmal ist es erstaunlich, wie nahe sich Interpretation und Wahrheit einander geraten. Ich spüre, dass ich einem tiefen Geheimnis auf der Spur bin. Zufall ist etwas für Menschen, die keine Beziehung zum Universum haben. Alle anderen wissen. Es gibt ihn nicht. Alles hat seinen Platz, seine Zeit und seine Ordnung. Selbst das Chaos ist ein Konstrukt höherer Ordnungskräfte. Weshalb sollte es dann so etwas wie Zufall geben? Kann es Zufall sein, dass ich mich verändere und mein Körper ebenfalls? Dass es eine naheliegende metaphysische Interpretation gibt, die zu erstaunlichen Antworten führt?

Ich stehe noch am Anfang. Der Weg ist mein Ziel.

Falls ich zu neuen Erkenntnissen gelange seid Ihr die Ersten, die es erfahren.

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